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Kinder
und Jugendliche brauchen ein stabiles Zuhause, Menschen die sie lieben,
denen sie vertrauen können, Freunde mit denen sie gemeinsam aufwachsen
können und Schutz vor Gewalt und Mißbrauch.
Hilfsangebote für
Familien in Notsituationen
Wir haben die Erfahrung
gemacht, dass
1) Familien mit ihren Problemen oft alleine gelassen werden,
2) Fremdunterbringung oft als einzige Lösungsmöglichkeit für
schwerere Familienprobleme gesehen wird,
3) trotz bestehender Probleme die Trennung von den Eltern für das
Kind ein furchtbarer Lebenseinschnitt ist, der oft das Gefühl auslöst
bestraft zu werden,
4) fremduntergebrachte Kinder in soziale Isolation geraten,
5) neue Erziehungsverantwortliche nicht automatisch besser sind, da auch
der qualifizierteste Betreuer leibliche Eltern nicht ersetzen kann,
6) Pflegeeltern und Erzieher keine persönliche Beziehung aufbauen
können oder wollen, denn auch wenn sie sich bemühen bleibt man
oft nur Kind 2. Wahl,
7) Fremdunterbringung nicht automatisch Schutz vor Gewalt und Mißbrauch
bietet, in etlichen Fällen ist sie sogar erst der Beginn eines jahrelangen
Martyriums,
8) die emotionelle Bindung zu den leiblichen Eltern oft verloren geht,
teils durch die räumliche Trennung, teils durch Verhinderung intensiver
Kontakte
Daher sind wir der
Meinung:
Die Bedürfnisse
nach stabilen, persönlichen Beziehungen, nach Liebe und Geborgenheit,
werden im Normalfall von der Familie am besten abgedeckt. Kann die Familie
die Befriedigung dieser Bedürfnisse nicht leisten, so sollten vorerst
alle Möglichkeiten zur Verbesserung der familiären Situation
ausgeschöpft werden. Das ist umso wichtiger, je kleiner die Kinder
sind.
Dieser Prozess sollte
beinhalten:
· Information aller Familienmitglieder über eventuelle Problempunkte
· genaue Bedarfserhebung der einzelnen Familienmitglieder
(Analyse der einzelnen Bedürfnisse und deren Erfüllungsgrad)
· Problemanalyse und gemeinsames Erstellen neuer Familienziele
· gezielte Hilfsmaßnahmen in der Familie
· Elternschulung (richtiger Umgang mit Kindern)
· Nachbetreuung, Haushaltshilfe
· Schuldnerberatung/ finanzielle Unterstützung
· Hilfe bei Wohnungssuche/ kindgerechte Wohnraumsanierung Lernbetreuung
· Familienarbeit durch Sozialarbeiter als Erziehungshelfer (stundenweise
- intensiv)
· Familienarbeit durch Therapeuten (Familien-, Einzeltherapien)
Ziele:
Alle Familienmitglieder
sollen gemeinsam an den Problemen arbeiten, die in der Familie entstanden
sind.Die Bedürfnisse der Kinder sollen bestmöglich abgedeckt
werden, ohne sie aus der gewohnten Umgebung zu reißen.
· Bindungen an Eltern und Freunde sollen nicht zerstört werden.
· Das Kind soll nicht für die Fehler der Erwachsenen durch
Entfernung bestraft werden.
Umzug in ein neues
Zuhause
Wir haben
die Erfahrung gemacht, dass
- Kinder/ Jugendliche
zu wenig über Hintergründe und Ziele der Fremdunterbringung
informiert werden.
- Kinder/ Jugendliche
nicht nach ihren Wünschen/ ihrer Meinung gefragt werden.
- Kinder/Jugendliche
einfach bei "irgendwelchen neuen Erwachsenen abgestellt werden",
denen sie sich unterordnen, denen sie vertrauen, die sie lieben sollen.
Nach dem Motto: neue Eltern = gute Eltern,
alte Eltern = schlechte Eltern.
- Die Vorstellungen
der Erwachsenen über Qualitätsstandards der Fremdunterbringung
nicht unbedingt den Bedürfnissen der Kinder/ Jugendlichen entsprechen.
- Kinder/ Jugendliche
aus ihrer sozialen Umgebung gerissen werden und damit alle Freundschaften
verlieren.
Daher sind wir der
Meinung, dass
- eine so gravierende
Entscheidung über das Leben eines Kindes/Jugendlichen genauestens
überdacht werden muss.
die Entscheidung nicht ohne Betroffenen gefällt werden darf.
- das Kind / der
Jugendliche bei diesem Schritt intensiv begleitet werden muss.
- Die leiblichen
Eltern in diesen Prozess miteinbezogen werden müssen.
- Es soll der Grundstein
für eine Verbesserung der Eltern-Kindbeziehung gelegt, nicht aber
ein Beziehungsabbruch gefördert werden.
"In Fremden
Händen" - in Fremdpflege
" Auch wenn du
deinen neuen Eltern/Erzieher gern hast und dich bei ihnen wohl fühlst
- es wird nie dasselbe sein, wie eigene leibliche Eltern ganz für
sich zu haben. Jede Entscheidung für die "Neuen" bedeutet
auch einen schmerzvollen Abschied von den "Alten" und es zerreißt
dich innerlich."
"Wir Kinder/Jugendliche haben uns diesen Lebensweg nicht ausgesucht,
also behandelt uns auch nicht mit Missachtung und Ignoranz, sondern so,
wie alle anderen auch."
"Wir wollen nicht euer Mitleid, sondern ganz normale Anerkennung
unserer Stärken und Schwächen."
Uns liegt am Herzen,
dass
- Kinder/Jugendliche
ihre Erzieher und Pflegeeltern kennenlernen dürfen, bevor sie zu
ihnen ziehen
es eine Eingewöhnungsphase gibt, es die Möglichkeit zur freien
Entscheidung gibt
das Kind / der/die Jugendliche mit Achtung behandelt wird, sodass er/sie/es
die Selbstachtung nicht verliert
die Bezugspersonen stabil bleiben und dauerhaft verfügbar sind
(zumindest in Notfällen erreichbar)
die Erzieher nicht nur professionell geschult, sondern auch bereit sind
eine echte Beziehung mit dem Kind/Jugendlichen einzugehen
- im Falle eines
auftauchenden Problems nicht das Kind/ der/die Jugendliche in eine andere
Institution "verschoben" wird, sondern der/die Erzieher sich
(notfalls mit therapeutischer Begleitung) mit dem Kind/Jugendlichen
auseinandersetzen müssen
- regelmäßige
Gespräche mit den Kindern/Jugendlichen von externer Stelle stattfinden,
um ihre Wünsche anzuhören und eventuelle Probleme aufzudecken
- schulische/berufliche
Leistungen gefördert werden
Zukunftsperspektiven eröffnet werden, lang- und kurzfristige Ziele
des Einzelnen und der Gemeinschaft in der
- Wohngruppe oder
Pflegefamilie gesetzt werden
- alle Maßnahmen
zur Förderung der sozialen Integration ergriffen werden
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