Vorbereitungsarbeit zur Jugendkonferenz

Es begann alles im Februar 1999. Der Kinder- und Jugendanwalt von Salzburg war gemeinsam mit Pro Juventute mit der Aufgabe betraut worden, im Mai 2000 die jährliche EFCW (European forum of child welfare)-Konferenz zu organisieren. Dabei sollte Kindern/Jugendlichen in/aus Fremdobsorge die Möglichkeit gegeben werden, sich im Sinne des Mitbestimmungsrechtes an der geplanten EFCW-Konferenz zu beteiligen.Der erste Gedanke galt dem Verein Youth in Care- Austria, dessen Mitglieder Hauptbetroffene und sozusagen Experten auf dem Gebiet der Jugendwohlfahrt sind. Der gerade erfolgreich wiederbelebte Verein nahm diese Aufgabe gerne an, im Sinne seines Grundsatzes "Es soll nicht über uns, sondern mit uns gesprochen werden!" "Gesagt, getan"- die erste Planungsrunde setzte sich im Jury 1999 zusammen.Eins war für alle klar, die Jugendlichen wollten nicht schmückender Teil der "Erwachsenenkonferenz" sein, sondern gemeinsam mit Jugendlichen aus anderen Ländern über Probleme diskutieren, Erfahrungen austauschen, Lösungs- und Verbesserungsvorschläge aus den verschiedenen Ländern zusammentragen. So war ziemlich schnell klar, dass es eine eigenständige Jugendkonferenz geben müsse, mit eigenen Themen und Ergebnissen, die dann in die EFCW-Konferenz eingebracht werden können. Im ersten Anlauf wurde mit 30 Jugendlichen gerechnet, ungefähr die Hälfte aus deutschsprachigem( österreichischem) Raum, die andere Hälfte aus den verschiedenen EU-Ländern. Die Teilnehmer sollten Erfahrungen mit der Jugendwohlfahrt haben und sich für die Themen der Konferenz interessieren. Natürlich ist ein Mindestalter von 16 und die Erlaubnis der Erziehungsberechtigten für einen Auslandsaufenthalt bei so einer Konferenz Voraussetzung. Die Konferenz sollte nur ein paar Tage dauern und vor der EFCW-Konferenz anfangen, damit genug Zeit bleibt, gemeinsam wichtige Forderungen an und Informationen für die Erwachsenen zu erarbeiten.
Im Sommer und Herbst 1999 wurde das Programm für die Jugendkonferenz erstellt. Youth in Care Austria ist in ständigem Kontakt zu Jugendlichen in verschiedenen Unterbringungseinrichtungen in Salzburg, sowie einigen Interessenten aus den restlichen Bundesländern, die schon in den letzten Jahren an Zusammenkünften von Youth in Care teilgenommen hatten (z.B. Jugend-Austausch Bergen 1995. Christina und Thomas besuchten zahlreiche Wohngemeinschaften und Pflegefamilien im Land Salzburg und sammelten gemeinsam mit den Jugendlichen Ideen, welche Probleme den fremduntergebrachten Kids& Teens besonders am Herzen liegen.
Gemeinsam wurden (teilweise bei persönlichen Treffen, teilweise via. Brief, Telefon, Email) Programmpunkte erarbeitet, die den österreichischen Jugendlichen besonders wichtig erschienen. Das Konferenzprogramm sollte weiteres das Kennenlernen von international Gleichgesinnten (mit ähnlichen gelagerter Problematik) umfassen, damit die Standards im Umgang mit fremdbetreuten Jugendlichen in den verschiedenen Staaten gesammelt und diskutiert werden können

Vorgangsweise bei der Kontaktaufnahme:
National: Rundschreiben an Betreuer von Wohngemeinschaften und Heimen ( Pro Juventute, SOS), Pflegeelternvereinigungen, Jugendämter, betroffene Jugendliche und die Trägervereine.
Anruf mit anschließendem persönlichen Besuch, wenn ein Interesse seitens der Jugendlichen gegeben war - Bericht eigener Erfahrungen mit Fremdobsorge, Youth in Care Video (Bergen), Vorstellung des Vereins Youth in Care, Diskussionen, Einladung zur Jugendkonferenz
International: Flug nach Brüssel mit Vorsprache bei EFCW-Mitgliedern um Interesse zu erwecken - Vorstellung des Programms mit den Zielen usw., die von Youth in Care - Austria verfolgt werden., Bitte um Mithilfe bei der Kontaktaufnahme mit Jugendlichen aus Fremdobsorge in ihren Ländern, bzw. möglichen Partnerorganisationen für Youth in Care,
Durchsetzung des Zieles, dass die Teilnehmer der Jugendkonferenz den EFCW- Konferenzteilnehmern ihre Vorstellungen und Forderungen für die Zukunft der Jugendwohlfahrt mitteilen dürfen. Persönliche Kontaktaufnahme zu den verschiedenen Jugendorganisationen in Europa
Aussendung des Jugendkonferenzprogramms über EFCW Rundmail und persönlich zu allen mgl. Partnerorganisationen.

Ziele der Konferenz
einen internationalen Erfahrungs- und Meinungsaustausch zu forcieren, wie die Jugendwohlfahrt in anderen Ländern mit Jugendlichen umgeht und welche speziellen Probleme sich daraus ergeben gemeinsam zu versuchen Lösungsstrategien für ähnlich gelagerte Probleme zu finden - darüber zu sprechen gemeinsame Anregungen und Ideen zu sammeln ( welche Maßnahmen sind in verschiedenen Systemen erfolgreich? - Was kann man daraus lernen? Was bedeutet das für die Zukunft? Was wollen wir verändern? Die Ergebnisse der Erwachsenenkonferenz, die zur selben Zeit in Salzburg stattfindet zu präsentieren und bei den Erwachsenen Veränderungen zu fordern und anzuregen
sich international zu vernetzen und weiterhin zusammenzuarbeiten

Themen der Konferenz: Face to Face

Die Zukunft beginnt jetzt
Jugendliche aus Europa bringen, basierend auf eigenen Erfahrungen Gedanken zum Jugendwohlfahrtssystem ein. Eine Delegation der Jugendkonferenz präsentiert ihre Ideen und trägt Forderungen und Wünsche an die Erwachsenen hinein.
Integration - in Wohnumfeld, Schule, Beruf
Problemlage: Fremduntergebrachte Kinder und Jugendliche (vor allem in größerer Zahl - Wohngemeinschaften), werden noch immer als seltsame, unberechenbare Geschöpfe angesehen. Diese sind zwar für manche Menschen besonders schützenswert, solange sie noch nett angepasste süße kleine Kinder sind, jedoch spätestens mit ihren ersten Pubertätsanzeichen (Verhalten) absolut gesellschaftsunfähig, da kommt ja doch was von den asozialen Eltern durch. Egal ob im Wohnumfeld, in Schule oder Beruf, immer wieder stößt man an die Grenzen der sozialen Akzeptanz.
Fragestellung: Welche Maßnahmen wären geeignet, das Außenseiterbild vom fremdbetreuten Kind zu verändern?
Regionale Ebene: Einladung an Nachbarn, Aufklärung usw. - Überregionale Ebene: Öffentlichkeitsarbeit
Selbst- versus Fremdbestimmung - Mitspracherecht in der Fremdobsorge
Problemlage: Kinder und Jugendliche sind generell in Abhängigkeit von den Erwachsenen. Sie dürfen nur zu einem geringen Teil selbst Entscheidungen treffen. In der "Normal-Familie" muss man seine Interessen gegen die Eltern durchsetzen. Dabei lernt man immer neue Fertigkeiten, die eigene Meinung zu äußern und eigene Bedürfnisse durchzusetzen. Diese natürliche Entwicklung wird in der Fremdobsorge zu nehmend schwerer. Verschiedenste Personen (JA bis Erzieher) wissen immer, was gut für das Kind/den Jugendlichen ist, im Zweifelsfall setzen sie sich noch zusammen um gemeinsam den richtigen Weg zu finden.
Fragestellung: Wo bleibt dabei der freie Wille des/der Betroffenen, wo bleibt das selbstständig experimentieren mit verschiedenen Lebensmöglichkeiten? Wie kann die Situation verbessert und die Wünsche und Bedürfnisse eines Kindes/Jugendlichen stärker eingebunden werden?

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